Der Chemie auf der Spur ( 2010)
Gezielt und frühzeitig einen Platz besetzt, an dem die Industrie heute boomt. Ein Allgäuer Unternehmen schreibt in Mitteldeutschland seit zwanzig Jahren Erfolgsgeschichte.

Mitten im Allgäu, einem Landstrich bekannt für Milch von braunen Kühen, gründete das Unternehmerehepaar Eugen und Theresia Finsterwalder Ende der dreißiger Jahre ein Transportunternehmen, das anfangs viel für die Milchwirtschaft und dann immer mehr für Kunden aus der Chemieindustrie unterwegs war. Was damals mehr oder weniger gezielt begann, ist heute Programm bei der Finsterwalder Transport und Logistik GmbH mit Hauptsitz in Türkheim. 

Das Unternehmen ist mit Standorten in Marl und Halle an der Saale genau da, wo sich die Chemieindustrie konzentriert. „Chemie ist unser Leben und wir folgen unseren Kunden aus dieser Industrie“, fasst Klaus Finsterwalder, der geschäftsführende Gesellschafter, die Firmengeschichte mit einfachen Worten zusammen. Im Westen stieß er mit dieser Strategie Ende der 80er Jahre an Grenzen. Der Markt für Transportlogistiker war eng, zudem bremsten knappe Logistikflächen in den Ballungsgebieten der Chemieindustrie seinen Wachstumsdrang genauso wie der eklatante Mangel an Fachkräften. 

Mit der Wiedervereinigung ergriff das investitionsbereite Familienunternehmen die Chance in den neuen Bundesländern Fuß zu fassen. Geschäftsbeziehungen zur chemischen Industrie der ehemaligen DDR verschafften Finsterwalder einen Vorsprung im unbekannten Terrain. Weitere Informationen gewann der aufgeschlossene Unternehmer im Sommer 1989 mit der Anstellung von Berufskraftfahrern, die auf ihrer Flucht über Ungarn den Weg ins Allgäu fanden. Sein Antrieb: gerüstet sein, falls die Grenze fällt, um sofort Position zu beziehen. Und zwar genau im Dreieck Buna, Leuna und Bitterfeld, wo die großindustrielle Infrastruktur der Chemiekombinate genügend Potenzial für Transportdienstleister bietet. 

Seine Rechnung ging auf. Am 5. Juli 1990 meldete er in Halle eine Spedition mit einer Mitarbeiterin an. Firmensitz: ein Wohnzimmer. Bald tätigte er konsequent Firmenzukäufe, die nach einer Phase der Konsolidierung 1994 in der Finsterwalder Transport und Logistik GmbH aufgingen. Seitdem wächst das Unternehmen organisch mit bestehenden und neuen Kunden. Wolf-Peter Peter, ein Mann der ersten Stunde und Anton Galster, vor 19 Jahren in den Osten gezogen, steuern bis heute die Geschäfte mit mittlerweile 600 Mitarbeitern und rund 130.000 Quadratmetern überdachter Lagerfläche. 

Das Erfolgsrezept im Rückblick: „Nach dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe haben wir uns damals wenig eingemischt, damit die zusammengekauften kleinen Transportunternehmen, sich selbst entwickeln konnten“, erinnert sich Finsterwalder. „Denn eingespielte Teams mit Know-how und funktionierenden Prozessen sind sehr wichtig.“ Beeindruckt hat ihn von Anfang an die hohe Ausbildungsqualität der Mitarbeiter. Das Angebot auf dem Arbeitsmarkt ist vergleichsweise groß, denn bei 13,7 Prozent Arbeitslosenquote bewerben sich in Halle fünf Mal mehr Fachkräfte als in Türkheim bei 2,3 Prozent. Doch Prozent ist nicht gleich Prozent. Nominal ist der mitteldeutsche Bedarf höher, denn mit dem Aufschwung Ost wächst auch die Logistik überproportional. Auch in der Chemie. 

Bis heute macht diese Branche, mit allem was verpackt ist, den Löwenanteil am Umsatz der Firmengruppe aus. Für unverpackte lose oder flüssige Waren geht Finsterwalder feste Kooperationen ein. So zum Beispiel für einen mitteldeutschen Hersteller von chemischen Grundstoffen und Basischemikalien. Für ihn übernimmt Finsterwalder im Joint-Venture mit einem zweiten Transportdienstleister mittels pneumatischer Förderleitung Polypropylen direkt ab der Produktionsanlage und wickelt den innerbetrieblichen Transport zum Warehouse ab. Von hier aus disponiert und kommissioniert Finsterwalder den Kunststoff je nach Kundenauftrag als Paletten- oder Siloware für Kunden in ganz Europa. Mit den Kernkompetenzen Transport, Lagerung und Logistik bedient das Unternehmen neben der Chemie vor allem Hersteller und Händler von Maschinen, Lebensmitteln, Folien, Getränken, Tiernahrung und Papier. Dazu sind zwei Drittel der gesamten Belegschaft von rund 900 Mitarbeitern in Mitteldeutschland beschäftigt. 

Hier setzte Finsterwalder auch Meilensteine für den Erfolg der gesamten Firmengruppe. Dazu zählt 1997 der Eintritt ins das CargoLine Stückgutnetzwerk und 2007 der in Betrieb genommene Railport. Mit 2,5 Kilometern Schienennetz direkt am Güterbahnhof in Halle/Saale bietet er überdachte Gleisrampen, Deckenkräne bis 80 Tonnen und mehrere Rangierlokomotiven für die Abfertigung von Ganzzügen und Einzelwagen. „Unser frühes Engagement in Mitteldeutschland hat sich gelohnt“, resümiert Finsterwalder. „Wir haben in den letzten zwanzig Jahren einen der vorderen Plätze am Logistikstandort erobert.“


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