Hochkonjunktur am Transportmarkt ( 2010)
Transport- und Logistikbarometer zeigen ein stabiles Hoch. Die Branche rechnet mit höheren Ladungsmengen und hofft auf einen Anstieg der Frachtpreise. Wie sich der Markt entwickelt und was Experten erwarten, zeigen aktuelle Branchendaten. 

Der Aufschwung beflügelt die Nachfrage. Frachtraum wird knapp. Wie knapp, zeigt das Transportbarometer von TimoCom mit 170.000 ausgewerteten Angeboten von 60.000 Nutzern aus 44 Ländern. Anfang Juli stehen sich dort europaweit 66 Prozent Frachtofferten und 34 Prozent Frachtraumangebote gegenüber. Bezogen auf die innerdeutschen Verkehre sind die Kapazitäten mit 74 Prozent Fracht gegenüber 26 Prozent Frachtraum sogar noch knapper. Bisher vorsichtig rechnet die Branche mit einem Anstieg der Frachtpreise. Das bestätigt das Logistikbarometer der SCI Verkehr GmbH in Köln, das seit 2003 monatlich 200 Logistikunternehmen zur aktuellen Branchenlage und künftigen Entwicklung befragt. Im April titelte das Ergebnis: Deutlicher Aufwärtstrend – Ende der Krise oder Zwischenhoch? Im Mai zeigt es weiterhin verhaltene Hochstimmung. 62 Prozent der Befragten rechnen mit einer gleichbleibenden und 35 Prozent mit einer besseren Geschäftsentwicklung in den Sommermonaten. Fast ein Drittel der befragten Unternehmen konnte die Preise steigern. Trotzdem sehen die Experten den Aufwärtstrend noch kritisch. Nur 32 Prozent erwarten weitere Preissteigerungen in den nächsten drei Monaten. Die meisten hoffen auf ein gleichbleibendes Niveau. Ähnlich positiv gestimmt ist das Transportmarktbarometer der Forschungsinstitute Progtrans und Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die vierteljährlich befragten 300 Spitzenkräfte aus dem Transportmarkt rechnen mit einer Zunahme des Transportaufkommens und stabilen bis moderat steigenden Preisen. Tendenziell preissteigernd wirken ihrer Ansicht nach insbesondere die wieder leicht anziehenden Kraftstoffpreise und die sich konsolidierende Transportmengenentwicklung.

Hinkende Kapazitäten. Schwerfälliger als die Nachfrage entwickelt sich das Angebot. Im Zuge der Krise wurden Kapazitäten stillgelegt, die jetzt fehlen. Die Entwicklung fasst die Marktbeobachtung der Bundesanstalt für Güterverkehr (BAG) im Herbst 2009 zusammen: Kapazität, Kosten und Liquidität stehen im Fokus. Viele Transportunternehmen setzen auf Fuhrparkabbau, Kurzarbeit und Personalentlassungen. Zusätzlich verschwinden Unternehmen mit schwacher Eigenkapitaldecke vom Markt, unter anderen die, die ihre Mautkosten nicht an Kunden weitergeben konnten. Der Berufsverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V. vermeldet einen sprunghaften Anstieg von Betriebsschließungen durch Insolvenz von 513 (2008) auf 788 (2009). Auch wenn die Talsohle durchschritten scheint, zögerliches Investitionsverhalten verschärft derzeit den Engpass am Laderaummarkt, gerade im Straßengüterverkehr. Dass dieser immer noch die Nummer eins der Leistungsschwerpunkte ist, bestätigen 43 Prozent der jüngsten Mitgliederbefragung des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) „Zahlen, Daten und Fakten aus Spedition und Logistik“. 61 Prozent der Befragten setzen eigene Fahrzeuge und 76 Prozent fremde Fahrzeuge ein. „Wir rechnen damit, dass einige Unternehmen in den nächsten Monaten noch Insolvenz anmelden werden und gehen davon aus, dass sich das Laderaumangebot in den kommenden Monaten weiter verknappt“, prognostiziert Klaus Finsterwalder, Geschäftsführer der Finsterwalder Transport & Logistik GmbH. Dass Laderaum bereits knapp ist, merkt er vor allem an den steigenden Spotmarktpreisen. Deshalb setzt das Unternehmen mit täglich rund 700 Einheiten auf einen ausgewogenen Mix von eigenen Fahrzeugen und festen Transportpartnern in ganz Europa. Die eigene Flotte von derzeit 170 Fahrzeugen ist dabei vor allem national und im grenznahen Ausland unterwegs. 

Bewegte Branche. Was zählt, ist die Balance. Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Zwischen Preis und Qualität. Mit der Krise geriet das in Schieflage. Viele Logistikverträge wurden neu ausgeschrieben, Verlader wechselten ihre Dienstleister. Was dabei zählte, war oft der Preis, manchmal mit langen Preisbindungsfristen und gefährlich nahe am Deckungsbeitrag. Um diese Marktsituation halbwegs aufzufangen, steigerten einige Unternehmen hinter den Kulissen ihre Kosteneffizienz mit wirksamen Maßnahmen. Langsam wendet sich nun das Blatt. Die Nachfrage zieht an, Maßnahmen greifen und die gesunden Unternehmen, die trotz der Markteinbrüche unbeirrt auf hohe Qualität setzten, zählen zu den Gewinnern. Denn gerade jetzt gewinnt die Zuverlässigkeit in der Laderaumgstellung wieder die Oberhand. Darauf ist Finsterwalder vorbereitet. Bei nahezu gleichbleibenden Umsatz- und Mitarbeiterzahlen akquirierte und auditierte das Unternehmen in weiser Voraussicht bereits während der Krise national und international weitere feste Transportpartner. So ist das Unternehmen bei der aktuellen Marktentwicklung, auch ohne die geplante Erweiterung des eigenen Fuhrparks um rund 60 Einheiten, auf der sicheren Seite. Gerade im volatilen Transportmarkt sind gesunde Unternehmensstrukturen, die während einer wirtschaftlichen Tiefphase mit niedrigen Preisen belastbar sind, unabdingbar. Denn in Krisenzeiten kann es kurzfristig um die blanke Existenzsicherung gehen. Langfristig hängt der Erfolg eines Unternehmens nicht allein vom Frachtpreis ab, sondern ist immer eine Frage der kontinuierlichen Qualität und Zuverlässigkeit. 

Quellen:
Logistikbarometer, April 2010, SCI Verkehr GmbH; TimoCom Transportbarometer, DVZ Nr. 81 vom 8. Juli; Progtrans AG, News vom 22. Juni 2010; Verkehrsrundschau Nr. 23 vom 11. Juni 2010; BAG Marktbeobachtung (Herbst 2009); Daten & Fakten, BGL e. V.


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